Agats und die Asmat
Endlich ein lokaler Stamm in Papua
Nachdem unser ursprünglicher Plan, einen lokalen Stamm nahe Dekai zu besuchen, nicht geklappt hat, entschieden wir uns für eine Alternative — und was für eine Alternative das war. Unser Ziel: die Asmat.
Interessanterweise kam die Idee nicht einmal von uns. Sie wurde uns vom Polizeichef in Dekai empfohlen. Agats sei derzeit deutlich sicherer, sagte er, und besser geeignet, um echte Einblicke in das Leben eines lokalen Stammes zu bekommen.
Nach Agats kommen
Die Anreise war lang, aber machbar: Von Dekai flogen wir zurück nach Jayapura, dann weiter nach Timika und schließlich nach Agats. Und dann — endlich — waren wir da.
Ankunft in Agats: Hauptstadt der Asmat-Region
Um vom Flughafen ins eigentliche Zentrum von Agats zu gelangen, muss man ein Wassertaxi nehmen. Allein diese kurze Bootsfahrt fühlte sich schon wie ein Erlebnis an — Holzstege, Kanäle, Stelzenhäuser. Man merkt sofort: In Agats läuft alles in einem anderen Rhythmus.
Im Vergleich zu Dekai ist Agats deutlich besser auf Besucher vorbereitet. Ein Grund ist das große Asmat-Festival, das jedes Jahr im Oktober stattfindet — mit traditionellen Tänzen, Musik, Bootsrennen — und vor allem Holzschnitzerei.
Homestay-Leben und erste Kontakte
In Agats kann man in mehreren lokalen Homestays übernachten. Wir nahmen das erste, das wir fanden — und hatten Glück. Schon am ersten Tag knüpften wir Kontakte, die später entscheidend werden sollten.
Unser Ziel war klar: ein lokales Asmat-Dorf zu besuchen. Als wir das dem Team in unserem Homestay erzählten, waren sie sichtbar begeistert. Sie erklärten, wir könnten ihr eigenes kampung besuchen — ihr Dorf.
Wir einigten uns schnell auf einen Preis, und am nächsten Morgen ging es los.
Drei Stunden mit dem Boot durch Mangroven
Mit ihrem Boot fuhren wir rund drei Stunden lang tief in die Mangrovenwälder hinein. Die Fahrt war fast magisch: dichte Vegetation, braunes Wasser und absolute Stille.
Wir hielten Ausschau nach Schlangen und Krokodilen — aber zunächst sahen wir keine. Das sollte sich später ändern.
Besuch eines Asmat-Dorfes
Als wir ankamen, wurden wir herzlich empfangen. Das Erste, was sie uns zeigten, war das Männerhaus — eine riesige Gemeinschaftshätte, in der viele Männer schlafen.
Die Verständigung war nicht immer einfach. Unser Indonesisch half, aber in diesem abgelegenen Teil Papuas wurde es deutlich weniger verstanden als anderswo. Ein kurzer Hinweis warum: Indonesien ist Heimat von mehr als 800 Sprachen.
Die Asmat und ihre Holzschnitzkunst
Die Asmat sind weltweit berühmt für ihre Holzschnitzkunst. Diese Kunst ist tief spirituell, und ihre Werke sind in Museen auf der ganzen Welt vertreten.
Ihr Ruf reicht über Kunst hinaus: 1961 verschwand Michael Rockefeller nach einem Besuch bei den Asmat spurlos. Bis heute können Einheimische weder bestätigen noch verneinen, was damals wirklich passiert ist.
Als wir fragten, ob wir ihnen beim Schnitzen zusehen dürfen, änderte sich die Stimmung sofort. Mehrere Männer griffen zu ihren Macheten, suchten passendes Holz, und ein kleiner spontaner Wettbewerb begann.
Wir erklärten offen, dass wir nur drei Stücke kaufen können, weil die Einfuhr von mehr nach Deutschland nicht erlaubt wäre. über zwei Stunden schnitzten die Männer alles Mögliche: Skulpturen, Dekorationen, sogar Aschenbecher. Am Ende kauften wir drei Werke, bezahlten die Schnitzer fair und waren mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.
Krokodile, Pythons und Leben in den Mangroven
Dann erwähnte einer der Männer ganz beiläufig, dass mindestens einmal pro Woche riesige Pythons gesichtet werden — und fragte, ob wir mitkommen wollen, um gemeinsam zu suchen.
Das Dorf ist auf Stelzen gebaut, direkt im Mangrovenwald — perfektes Gebiet für Schlangen und für Krokodile.
Uns wurde erzählt, dass seit der Gründung des Dorfes zwei Menschen von Krokodilen getötet wurden. Jedes Mal habe sich das ganze Dorf versammelt, um genau dieses Tier zu jagen. Sie zeigten uns sogar ein Foto von einem Krokodil mit über sechs Metern Länge.
Eine Nacht auf dem Fluss: Krokodiljagd
Ein weiteres Highlight stand noch bevor. Einer der Männer ging auf seine wöchentliche Krokodiljagd und lud uns ein — unter der Bedingung, dass wir Kaffee, Zigaretten und Taschenlampen übernehmen. Wir sagten sofort zu.
Um 22 Uhr, bei leichtem Nieselregen, starteten wir. Die Methode ist simpel: Ein Scout leuchtet mit der Taschenlampe über den Fluss und sucht nach dem Reflex der Krokodilaugen. Dann nähert sich das Boot leise, und das Tier wird mit einem kleinen Harpunenspeer erlegt.
In diesem Teil Papuas ist das Jagen und Essen von Krokodilen normal. Für uns verlief die Nacht jedoch anders als erwartet. Stundenlang fanden wir keine großen Tiere.
Ein Begleiter fing ein wenige Tage altes Baby-Krokodil mit bloßen Händen — und ließ es wieder frei. Andere, etwas größere Tiere hatten nicht so viel Glück.
Wir verbrachten rund sieben Stunden im Regen auf dem Boot. Das Erlebnis war unglaublich besonders — und körperlich anstrengend.
Abreise aus der Asmat-Region
Nach mehr als vier Tagen in der Asmat-Region verließen wir Agats — erschöpft, aber glücklich.
Wir erlebten endlich das, was wir uns in Papua erhofft hatten: echten Kontakt mit einem lokalen Stamm, Begegnungen auf Augenhöhe, und einen tiefen Einblick in eine Welt, die nur wenige Reisende jemals zu sehen bekommen.