Dekai und die Korowai
Von Jayapura nach Dekai — auf dem Weg zu den Korowai
Von Jayapura nach Dekai
Von Jayapura gibt es nur einen täglichen Flug nach Dekai — und nur einen Flug zurück. Wir flogen am 16. August nach Dekai. Dieses Datum sollte später überraschend wichtig werden.
Schon vor dem Boarding war klar: Das würde sich nicht wie ein normaler Inlandsflug anfühlen. Um Überhaupt nach Dekai reisen zu dürfen, braucht man eine Reisegenehmigung namens Surat Jalan.
Surat Jalan: eine verpflichtende Genehmigung für Reisen in Papua
Papua gilt offiziell als sensibles Gebiet, in dem es zu bewaffneten Konflikten kommen kann. Die Regierung beschreibt diese Situationen häufig als Streitigkeiten zwischen verschiedenen Stämmen. Vor Ort jedoch — und durch das, was wir selbst erlebt haben — kann es auch Spannungen zwischen lokalen Gruppen und der indonesischen Regierung oder dem Militär beinhalten.
Den Surat Jalan bekommt man meist auf einer Polizeistation, zum Beispiel in Jayapura oder Sorong. Wir gingen einfach zur ersten Station, die wir sahen, begrüßten die Beamten auf Indonesisch und erklärten unseren Plan. Sie wirkten ehrlich froh, helfen zu können.
Sie brauchten nur unsere Pässe und 100.000 Rupiah. Weniger als fünf Minuten später hielten wir unseren Surat Jalan in der Hand. Währenddessen standen wir neben einem Kasuar. In diesem Moment wurde uns klar: Wir sind wirklich in Papua.
Ankunft in Dekai: ein Reality-Check
Mit der Genehmigung im Gepäck stiegen wir ins Flugzeug nach Dekai. Der Flughafen ist winzig — eher eine Landebahn, die in den Dschungel geschnitten wurde. Direkt nach der Landung wartete bereits das Militär.
Es war ein seltsames Gefühl. Die Soldaten beobachteten uns genau, fragten sofort nach dem Surat Jalan und sagten dann, wir müssten zuerst zur lokalen Station.
Dekai ist keine "Stadt", wie man sie sich vorstellt — eher ein kleines Dorf mit weniger als 4.000 Einwohnern, tief im Inneren Papuas. Von hier aus beginnen normalerweise viele Touren zu den Korowai. Das war auch unser Plan: einen lokalen Guide finden und losziehen.
Transport und erste Warnsignale
Schon in den ersten Minuten merkten wir: Hier funktioniert alles anders. Preise sind höher, und Ausländer sind selten.
Uns wurden Summen genannt, die unrealistisch wirkten. Es ging nicht einmal ums Verhandeln — es ging um die Gesamtsituation. Wir bemerkten auch, dass man uns anders beobachtete, als wir es irgendwo sonst in Indonesien erlebt hatten.
Trotzdem trafen wir hilfsbereite Menschen. Einer von ihnen war ein Lehrer namens George.
Eine Nacht bei einem lokalen Lehrer
George ist ein lokaler Lehrer, der mit einem Stipendium in Neuseeland studiert hatte. Sein Englisch war nicht mehr perfekt — aber seine Offenheit und Großzügigkeit waren es. Er lud uns ein, bei ihm zu schlafen. Wir hatten ein Zelt und Isomatten dabei; am Ende brauchten wir nur die Matten.
Ein praktischer Hinweis zur Unterkunft in Papua
Viele Häuser in Papua sind absichtlich mit offenen Bereichen für Luftzirkulation gebaut — mit Lücken oder teilweise offenen Wänden. Der Nachteil: Mücken.
Mückenspiralen sind üblich und sollen über Nacht langsam abbrennen. Wir haben sie auch benutzt — und trotzdem bekam ich später Malaria. Mehr dazu erzählen wir in unserem Raja-Ampat-Report.
Das soll niemanden abschrecken, sondern betonen, dass das Malaria-Risiko in Papua etwas ist, das man ernst nehmen muss.
Dekai aus der Nähe: zwischen Neugier und Unsicherheit
Zusammen mit George erkundeten wir das Dorf. Zum ersten Mal auf unserer gesamten Indonesien-Reise fühlte ich mich nicht wirklich sicher. Blicke folgten uns überall.
George sagte uns, wir seien die ersten Touristen seit Monaten. Bewaffnete Pick-up-Trucks fuhren durch die Straßen — laut George gehörten sie lokalen Goldsuchern.
Trotzdem hatten wir auch positive Begegnungen. Wir sprachen mit Einheimischen und luden einige von ihnen zum Essen ein.
Ein kleiner Hoffnungsschimmer entstand, als uns Leute sagten, die Behörden könnten die Lage übertreiben — und dass manche Guides angeblich Gebühren zahlen, um durchzukommen. Auch wenn Korruption in Indonesien kein unbekanntes Thema ist, fühlte sich das nicht nach etwas an, worauf wir bauen wollten.
An diesem Abend besuchten wir eine Korowai-Familie, deren Kinder zum Schulbesuch nach Dekai geschickt worden waren. Uns wurde mehrfach gesagt, dass das Korowai-Dorf selbst sicher sei — aber auch, dass die lange Bootsfahrt dorthin von Rebellen kontrolliert werden könnte.
17. August in Dekai: ein stiller Feiertag
So verbrachten wir den indonesischen Unabhängigkeitstag in Dekai. Normalerweise ist dieser Tag voller Feiern, Spiele und überall wehender Flaggen. Hier fühlte es sich komplett anders an.
Die einzige indonesische Flagge, die wir sahen, hing auf dem Gelände der Station. Viele Bewohner von Dekai fühlen sich nicht mehr als Teil Indonesiens und wünschen sich stattdessen einen eigenen Staat — ähnlich wie Papua-Neuguinea.
Fazit: zwei unvergessliche Tage in Dekai
Auch wenn wir unser ursprüngliches Ziel, die Korowai zu besuchen, nicht erreichen konnten, wurden diese zwei Tage in Dekai zu einer der intensivsten Erfahrungen unserer Reise.
Nicht wegen Dschungel-Abenteuer — sondern wegen der Realität vor Ort: politische Spannungen, Unsicherheit und die Menschlichkeit, die wir trotzdem mitten in all dem erlebt haben.